Johannes der Täufer – Eine Erzählung zu Matthäus 3, 13-17

Der Mann stand am Fluss. Er war dünn. Hatte langes ungepflegtes Haar und einen ziemlich unansehnlichen Bart. Als Kleidung diente ihm ein Gewand aus Kamelhaaren und ein Gürtel um seine Lenden. Man sah ihm an, dass er sich von Heuschrecken und von wildem Honig ernährte. Dabei war er nicht direkt schmutzig. Nein, das nicht. Aber in seinem Aussehen spiegelte sich wieder, dass er alleine lebte, weit weg von anderen Menschen als Einsiedler.

Viele Menschen kamen um zu hören, was er zu sagen hatte. Aus allen Dörfern gingen sie dort hin, wo er sich gerade aufhielt um zu predigen. Die Leute sprachen von ihm, wie von einem Heiligen. Er war für sie ein Prophet Gottes. Wenn man die Leute fragte, wer dieser Mann sei, dann nannten viele einen Vers aus dem Propheten Jesaja, in dem es hieß: „Hört, eine Stimme ruft in der Wüste: Bereitet dem Herrn den Weg! Ebnet seine Pfade!“ Damit wollten die Leute sagen, dass dieser Mann derjenige ist, der den Messias, den Retter ankündigt und diesem voraus geht.

Auf jeden Fall war er ein Mann der sein Leben in besonderer Weise in den Dienst Gottes stellte. Die Leute erwarteten, dass Gott durch ihn redete. Sie hofften, dass er ihnen sagen konnte, was sie tun müssten um vor Gott gerecht zu sein – um Gott zu gefallen.

Seine Predigten hatten immer wieder das selbe Thema, er sagte: “Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe.“ Er meinte damit, dass der Messias bald schon kommen würde und dass es notwendig sei, das eigene Leben zu ändern und mit Gott neu zu beginnen.

Seit einigen Wochen taufte dieser Mann die Leute im Jordan. Er taufte sie zur Buße – als Zeichen ihrer Umkehr hin zu Gott. Die Menschen bekannten ihre Sünden, wurden untergetaucht und waren danach rein von Schuld.

Was den Leuten gut gefiel war, dass er auch den Frommen – denjenigen die meinten, dass sie vor Gott alles richtig machen würden – deutlich sagte, dass Gott auch bei ihnen keine Ausnahme dulden würde. Auch sie wären Sünder und könnten sich nicht auf ihre Abstammung oder ihren Rang berufen. Nur wer umkehrt und sein Leben verändert, sein Leben neu auf Gott hin ausgerichtet lebt, wird Gottes Gnade erfahren.

Und er sprach auch vom Messias. Von dem Mann also, der Israel befreien und erlösen würde. Manches war unverständlich, aber eindrücklich. Er sagte solche Sätze wie: „Ich taufe euch mit Wasser als Bestätigung für eure Umkehr. Der aber, der nach mir kommt, ist stärker als ich; ich bin es nicht einmal wert, ihm die Sandalen auszuziehen. Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen. Er hat die Worfschaufel in der Hand und wird damit die Spreu vom Weizen trennen. Den Weizen wird er in die Scheune bringen, die Spreu aber wird er in nie erlöschendem Feuer verbrennen.“

Auch heute würde er wieder predigen und taufen. In langen Schlangen stehen die Leute um von diesem Mann Gottes getauft zu werden. Da sieht Johannes der Täufer – so wurde er von den Leuten genannt – seinen Cousin. Er hat ihn schon länger nicht mehr gesehen, doch er erkennt ihn sofort. Johannes weiß, dass es für das Leben seines Cousins große Verheißungen gibt. Johannes weiß, dass es erstaunliche Ereignisse gab, als sein Cousin geboren wurde und dass die Art und Weise wie er gezeugt wurde sehr mysteriös war. Doch als er ihn erblickt erkennt er – weniger aus seinem Wissen, als aus seinem inneren Hören auf Gott – dass dieser Mensch wahrhaftig der Messias Gottes ist. Und dieser Messias kommt nun zu ihm und will von ihm getauft werden? Nein, das kann nicht sein. Johannes kann es nicht fassen, dass er den Messias als Zeichen seiner Buße taufen soll. Er spürt, dieser Mensch hat eine Umkehr gar nicht nötig. Dieser Mensch ist so rein, so nah an Gott. Er ist ohne Schuld.

Johannes sagt: „Ich hätte es nötig, mich von Dir taufen zu lassen, und Du kommst zu mir?“

„Lass es für diesmal geschehen! Es ist richtig so, denn wir sollen alles erfüllen, was Gottes Gerechtigkeit fordert!“ ist die Antwort seines Vetters.

Und so lässt Johannes es zu. Sein Vetter Jesus kommt zu ihm und lässt sich von ihm taufen. Er taucht ihn unter, wie die anderen Täuflinge. Er spricht über ihm die Vergebung der Sünden aus und die Aufforderung nun ganz nach den Geboten Gottes zu handeln. Er hebt diesen Jesus auf und lässt ihn zurück ans Ufer gehen.

Dann geschieht etwas unglaubliches. Es ist als ob der Himmel sich öffnet. Da, ein Vogel – es ist eine Taube. Sie fliegt aus dem geöffneten Himmel und landete auf Jesus. Eine Stimme ist zu hören: „Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.“ Es scheint so, als ob Gott selber zeigen will, dass dieser Jesus der Messias ist, den Israel erwartet. Der Messias, der Israel befreien und erlösen soll. Dieser Jesus, der Vetter von Johannes dem Täufer, Sohn von Maria und dem Zimmermann Josef, der Messias Israels.

Die dazugehörige Predigt gibt es hier!

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